nachgefragt bei Sharam Jey...

Clubfeeling: Hallo Sharam Jey. Vielen Dank, dass Du Dir für ein Interview Zeit genommen hast.

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Clubfeeling: In den nächsten Tagen steht die Veröffentlichung Deines neuen Albums an. Was für Gefühle verbindest du mit dem Album und der bevorstehenden Veröffentlichung?
Sharam: Zu erstmal bin ich tierisch froh, dass es vollbracht ist. Nach 15 Monaten harter Arbeit steht jetzt endlich die VÖ an. Ich bin stolz, da wir wirklich alles selbstgemacht haben ohne großen Partner im Hintergrund. Und mit dem Resultat bin ich mehr als zufrieden.

Clubfeeling: Was ist dein persönlicher Favorit auf dem Album?
Sharam: Ich muss sagen, dass ich mich schon so intensiv mit den Songs beschäftigt habe, vor allem weil ich aus 30 fertigen 13 auswählen musste, dass es schwer ist objektiv zu sein. Diese Auswahl war wirklich hart, da ich alle Songs sehr mochte. Wenn ich zwei herausstellen sollte, dann würde ich mich wohl zum einen für den Titelsong „In My Blood“ entscheiden, da er die Stimmung und das Feeling des Albums ganz gut rüberbringt und zum andern für „Dear Valentine“, ein Track der sehr melodiös ist und doch treibend nach vorne geht. Aber auch die nächste Single „Hearts Of Stone“ liegt mir sehr am Herzen, ein düsterer, treibender Song

Clubfeeling: Würdest Du von Dir selber sagen, dass Du von älteren Songs, welche Du produziert hast, zu den Liedern auf „In My Blood“ eine große Entwicklung durchgemacht hast? Wenn ja, ist diese Entwicklung rein auf musikalischer Ebene oder auch privat?
Sharam: Natürlich entwickelt man sich als Künstler auf beiden Ebenen weiter, oder sollte es zumindest. Davon lebt doch jegliche Kreativität, sei es als Künstler, Designer oder eben Musiker. Ich persönlich sehe diese Entwicklung in den 4 Jahren nach meinem ersten Album auch darin, dass zu diesem Projekt so viele talentierte Musiker ihren Beitrag geleistet haben, denen ich im Großen und Ganzen ihre Freiheiten gelassen habe und nur den umfassenden Rahmen vorgegeben habe.
Und es ist ein tolles Gefühl nach so vielen Jahren, immer noch diese Begeisterung für das zu spüren, was man tut. Und man auch stolz ist, auf das Resultat.

Clubfeeling: Jeder Produzent hat eine bestimmte Vorangehensweise beim produzieren. Dem Einem fallen die Songs unter der Dusche ein, der andere trifft sich mit Freunden und hat die Idee. Wieder ein anderen geht gern in Clubs und hört Musik, um sich inspirieren zu lassen. Hast Du eine bestimmte Inspirationsquelle beim produzieren? Wenn Du einen Song anfängst zu produzieren, sind die Ideen für den Track dann schon im Kopf oder entwickeln sich diese während des produzieren?
Sharam: Wie du sagst. Ich habe da verschiedene Herangehensweisen. Inspirieren lass ich mich von allem. Sei es von Orten auf Reisen, von Menschen, Sounds... Oder auch von Songs, die unfertig oder nur in Fragmenten auf meinem Rechner schlummern. Wie auf diesem Album, auf dem 2 Tracks sind, zu denen ich vor 10 Jahren die Grundidee hatte. Und für mich war natürlich auch immer eine Inspirationsquelle die Musik aus den 80er, sei es Synthi-Pop, Hip Hop oder Rock, die für mich immer noch so frisch klingt wie damals.

Clubfeeling: Jetzt für unsere Technik Freaks – womit produzierst du bzw. wie ist deine Herangehensweise? Erst die Drumbasis und dann der Rest dazu, oder vielleicht doch erst die Melodie und dann der Beat?
Sharam: Auch hier habe ich unterschiedliche Herangehensweisen. Diesmal habe ich auch mit einem Gitarristen gearbeitet und so haben manche Songs mit einer Gitarren- oder Basslinie begonnen. Manchmal werkelt man einfach so im Studio rum und raus kommt ein guter Lauf. Bei den neuen eher songorientierten Tracks muss man natürlich anders rangehen. Es ist was anderes ob du einen 6 minütigen Clubtrack, der auf einem Thema beruht, oder einen 3-4 minütigen Song machst, der ja viel mehr Struktur benötigt.

Clubfeeling: Wie schätzt du allgemein die Bedeutung vom „Veröffentlichen von Musik“ speziell jetzt einem Album ein? Im digitalen Zeitalter ist es ja offensichtlich, dass die Wertschätzung der Musik eher an Bedeutung verliert und die Musik eigentlich „nur“ zu einem „Produkt“ verkommt (was wir sehr schade finden). In wie weit beeinflusst das einen Künstler, der vor Veröffentlichung eines Albums steht? Oder auch im Vorfeld bevor man ein Album aufnimmt?
Sharam: Du hast Recht, der Wert der Musik geht immer mehr verloren. Ich bin froh, dass ich noch mitbekommen habe, dass eine CD bzw. Vinylsammlung noch was wert war. Leute waren bereit Geld dafür auszugeben. Heutzutage sind die Kids mit einer MP3 zufrieden. Der Song wird dann über Handylautsprecher gehört.
Ich sehe die Musik mittlerweile als Plattform um andere Einnahmequellen und neue Fans zu erschließen. Sie ist eine Art Setkarte: das bin ich und das ist meine Musik. Verkäufe spielen im Großen und Ganzen nur noch eine geringe Rolle. Es geht halt eher um z.B. Livegigs.

Clubfeeling: Was uns gleich zur nächsten Frage bringt – wie siehst du die Zukunft? Gerade im Hinblick auf CD – MP3 und digitales Zeitalter? Was bedeutet das auch für dich als Labelchef aus Sicht der Release- und Vertriebspolitik? Was denkst du muss man heute anders als früher machen, um erfolgreich zu sein?
Sharam: Wie schon gesagt, es geht nur noch sekundär um CD-Verkäufe. Was ich als Labelchef natürlich traurig finde. Es war auch eigentlich immer ein Ansinnen von King Kong, dass wir neue Talente finden und fördern, das ist aber so nicht mehr möglich. Sobald ein Release auf einem Portal zuhaben ist, wird es auch illegal weitergegeben. Heutzutage ist es halt auch wesentlich einfacher Musik zu machen. Wenn du den jungen Leuten zeigst, wie viele Geräte du hier in deinem Studio hast, wundern die sich nur wofür man die braucht. Geht ja auch alles mit dem Rechner. Wobei ich natürlich trotzdem davon überzeugt bin, dass Qualität sich durchsetzt.

Clubfeeling: Nun zu Deiner Person. :o) Gibt es etwas, was Dich im Wesentlichen ausmacht? Was für ein Mensch steckt hinter Sharam Jey und Deiner Musik?
Sharam: Schwere Frage. Die wag ich mich eigentlich nicht zu beantworten. Das sollen meine Familie und Freunde beurteilen.

Clubfeeling: Wir haben gelesen, dass Du in einer Rockband die ersten musikalischen Anfänge hattest. Und Dich dann immer mehr für die deutsche House und Techno Szene interessiert hast. Wie kam es dazu?
Sharam: Das stimmt, habe mich sehr jung fürs Musikmachen interessiert, so mit 13-14. Dann war ich in einer Band. Dort habe ich mich als Sänger und Songwriter versucht und nebenbei angefangen mich mit elektronischer Musik zu befassen, das war die Musik, die die 80er geprägt hat. Dann habe ich mich durch Zufall als DJ versucht, weil ich immer dachte das kann ich besser als die da. Dann Ende der 80er kam die House Music und die hat mich total gepackt. Und dann habe ich mich ganz dem Djing verschrieben.

Clubfeeling: Wie beschreibst Du Deinen musikalischen Style.
Sharam: Ganz einfach; da ich mit Musik der 80er groß geworden bin, ist meine Musik auch durchzogen mit Einflüssen dieser Ära. Außerdem würde ich meinen Stil als elektronisch tanzbar beschreiben, der die Leute in Bewegung bringt.

Clubfeeling: Welche Ansprüche stellst Du an Dich selbst beim produzieren?
Sharam: Das einzige was zählt, ist das man sein Bestes gibt. Und nach all den Jahren, die ich das mache, mache ich das eigentlich automatisch. Das bringt die Erfahrung.

Clubfeeling: Bleiben wir beim produzieren, siehst Du Deine Musik, welche Du produzierst eher für Dich oder um den Leuten eine Botschaft zu vermitteln?
Sharam: Man macht Musik natürlich für sich, aber die Leute sind auch immens wichtig. Es gibt nichts schöneres, als wenn deine Musik Menschen begeistert. Sei es als Botschaft oder einfach als gutes Gefühl. Hauptsache man berührt die Leute und kriegt so etwas zurück.

Clubfeeling: Favorisierst Du eine bestimmte Art von Musik als Hörer?
Sharam: Mich interessiert gut gemachte Musik. Auf meinem Ipod findest du Bands wie die Foo Fighters, Killers, Strokes oder die Kings Of Leon. Aber auch Oldschool-Hip-Hop, wie von den Beastie Boys oder A Tribe Called Quest.

Clubfeeling: Du hast ein eigenes Label, namens King Kong Records. Werden auf dem Label nur Deine eigenen Sachen veröffentlicht oder hast Du einen Künstlerpool. Wie würdest Du im Allgemeinen den Stil, welcher auf King Kong Records vertreten sein wird, beschreiben?
Sharam: Das Label gibt es jetzt seit 7 Jahren und das Ziel war es meine Musik ohne Beschränkungen rauszubringen, von DJs für DJs. Auch von neuen Künstlern. Zurzeit dreht sich aber doch alles um meine Sachen und vor allem das Album, welches wir fast selbständig veröffentlichen. Lediglich in Australien haben wir Bandroom/One Love als Partner, die kümmern sich eigentlich eher um Indiebands wie z.B. Zoot Woman.

Clubfeeling: Wenn Du einen Gig hast, bereitest du dich in gewisser Art und Weise vor? Also suchst du Musik gezielt nach Club/Land/Publikum aus, oder machst du das alles spontan direkt am Abend?
Sharam: Man muss sich schon vorbereiten, aber es gibt natürlich auch einen gewissen Pool aus dem man schöpft. Es gibt aber auch andere Gelegenheiten zu denen du dein Set modifizieren musst, wie z.B. bei einer Fashionshow.
Aber generell liebe ich es lange Sets zu spielen und die Leute langsam in Stimmung zu bringen und dann immer mehr dem Peak entgegen zu treiben. Man richtet sich natürlich auch immer ein bisschen nach dem Publikum, dass einem ja auch ein Feedback gibt.

Clubfeeling: Gibt es Ziele, welche Du als DJ auf alle Fälle noch erreichen möchtest?
Sharam: Ja, klar. Ich möchte z.B. mit diesem Album auch wieder auf Welttour gehen und noch mehr Orte und neues Publikum mit meiner Musik erreichen. Und auch hier in meinem Heimatland die Leute begeistern.

Clubfeeling: Wie war Dein Jahr 2009? Würdest Du uns von ein paar Höhepunkten berichten? :o)
Sharam: Es ist sehr viel rund um das Album passiert. Wir haben das erste Mal so einen großen internationalen Release gestemmt. Bisher haben wir ja eher Vinyl veröffentlicht.
Da bin ich einfach wahnsinnig stolz drauf. Das war wirklich der bestimmende Faktor letztes Jahr.

Clubfeeling: Gibt es im Jahr 2010 – außer Deiner Album-VÖ – noch wichtige Ereignisse?
Sharam: Auch hier muss ich sagen, dass 2010 von dem Album bestimmt sein wird. Und von den Singles daraus. Und wie gesagt wird ein Großteil der Zeit aufs Touren entfallen. Zusätzlich arbeite ich zur Zeit an 2 neuen Projekten, die noch bandlastiger sein werden. Da wird aber noch nichts Näheres verraten.

Clubfeeling: Wie lauten deine aktuellen Top 5?
1) The C90s - 10:01 ( Villa Rmx) - Relish
2) Sharam Jey ft Cornelia - Army Of Men (DDY Rmx) - King Kong
3) Malente&Jay Robinson - What A Bass ( Sharam Jey Rmx) - Southern Fried
4) The Editors - You Don´t Know Me ( Boys Noize Rmx) - Cdr
5) Cassette Kids - Lying Around (Sharam Jey Rmx) - Sony

Clubfeeling: Die clubfeeling.de Redaktion sagt DANKE, dass Du Dir die Zeit für das Interview genommen hast. Das letzte Wort geht an Dich…
Sharam: Hört euch mein Album an...

Single "Army Of Men" ft. Cornelia und einen Album-Trailer
ALBUM-TRAILER [hier klicken]
'ARMY OF MEN' VIDEO [hier klicken]

Links
www.sharamjey.com
www.myspace.com/sharamjey
www.kingkongrecords.de

Zur Musikrezi zum neuen Album [hier klicken]
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